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Affenpocken – ein neues Krankheitsbild in der Proktologie

Was sind Affenpocken?

Affenpocken (engl.: Monkeypox) sind eine seltene Viruserkrankung, die sich seit Mai 2022 vor allem in Westeuropa und auch in Deutschland ausbreitet.

Die typischen Hautveränderungen wurden in den letzten Wochen mehrfach bei proktologischen Untersuchungen in unserer chirurgischen Praxis Chirurgica Colonia in der ATOS MediaPark Klinik diagnostiziert und somit die Erkrankung nachgewiesen.

Dieser Artikel dient als Information für unsere Patientinnen und Patienten und als Hinweis, die unten beschriebenen Pusteln sofort abklären zu lassen.

Affenpocken kommen üblicherweise nur in West- und Zentralafrika vor. Das Virus ist verwandt mit den klassischen humanen Pockenviren, die seit 1980 als ausgerottet gelten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Affenpockenausbruch im Juli 2022 als „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt.

Dieser Gesundheitsnotstand wurde zum letzten Mal zu Beginn der Corona Pandemie ausgerufen.

Weltweit wurden inzwischen schon über 15400 Fälle in 71 Ländern registriert, davon 2410 Fälle in Deutschland (Stand 26.07.2022; RKI). 95% der Fälle entstehen durch sexuelle Kontakte, wie das Fachmagazin ‚New England Journal of Medicine‘ veröffentlichte.

Affenpocken können durch jede Art von engem körperlichen Kontakt übertragen werden. Die genannte Studie legt nahe, dass die meisten Übertragungen in Verbindung mit sexueller Aktivität stehen, hauptsächlich bei Männern, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben.

Symptome bei Affenpocken

Die Erkrankung wird häufig von allgemeinen Symptomen wie Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, Frösteln und Abgeschlagenheit begleitet. Hohes Fieber und geschwollene Lymphknoten sind typisch.

Charakteristisch sind die teilweise sehr schmerzhaften Pusteln, die letztlich wie bei Windpocken verkrusten und abfallen. In den Hautveränderungen lassen sich besonders hohe Viruskonzentrationen nachweisen, was den Übertragungsweg bei Körperkontakt erklärt.

Affenpocken in der Proktologie

Eintrittspforte sind häufig kleinste Hautverletzungen am Anus oder an der Schleimhaut des Enddarmes, z.B. nach Analsex, was zu lokalen Entzündungen des Enddarms (Proktitis) führen kann.

Bei der proktologischen Untersuchung (siehe Abbildung) lassen sich die charakteristischen Pusteln in ihren unterschiedlichen Stadien erkennen und führen zur Verdachtsdiagnose von Affenpocken.

Hautveränderungen wie bei Affenpocken können anderen sexuell übertragbaren Krankheiten oder Virusinfektionen ähneln. Dazu zählen Windpocken, Herpes zoster, Scharlach, Herpes simplex, Syphilis und andere Pockenvirus-Infektionen.

affenpocken
Abbildung:  Charakteristische Pusteln am Anus bei einem nachgewiesenen Fall mit Affenpocken
(Copyright: Prof. Dr. med. V. Kahlke, Proktologische Praxis Kiel)

Wie werden Affenpocken diagnostiziert?

Die Inkubationszeit der Erkrankung beträgt etwa fünf bis 21 Tage. Kürzere Inkubationszeiten von zwei bis vier Tagen scheinen laut RKI (Stand 05.07.2022) möglich. Die Labordiagnostik ist indiziert bei Verdacht auf eine Infektion durch Affenpocken. Der Virusnachweis erfolgt aus den Pusteln, den Krusten oder mittels Hautabstrich durch eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

Therapie der Affenpocken

In der Regel heilen Affenpocken von allein aus !

Die meisten Menschen erholen sich innerhalb einiger Wochen. Insgesamt ist die Prognose daher als günstig zu bewerten und die Sterblichkeit gering (in Zentralafrika, 3 bis 6 % laut Angaben der WHO). Allerdings können insbesondere bei Kindern oder Personen mit geschwächtem Immunsystem auch schwere Verläufe auftreten.

Bei Bedarf können Medikamente lokale Entzündungen (Ekzeme oder Proktitis) oder Symptome wie Fieber und Schmerzen lindern.

Für Patientinnen und Patienten mit schweren Verläufen und Immunschwäche ist eine Krankenhausbehandlung notwendig.

Infizierte sind ansteckend, solange sie Symptome haben, in der Regel zwei bis vier Wochen. Die Dauer der Isolation ist bis zum Abfallen aller Krusten und Abheilen aller Läsionen vorgesehen, jedoch mindestens für 21 Tage.

Menschen, die in engen Kontakt mit einer ansteckenden Person stehen, wie zum Beispiel Sexualpartner und Haushaltsmitglieder, sind einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt und können Kontaktpersonen sein.

Personen mit Affenpocken-Infektion sollten auf jeglichen Sex (oral, anal, vaginal) verzichten, solange ein Übertragungsrisiko besteht. Darüber hinaus sollten Personen nach einer Affenpocken-Infektion nach Abheilen aller Läsionen für acht Wochen lang Kondome beim Sex benutzen, da das Virus auch noch eine Zeitlang in der Samenflüssigkeit vorhanden sein könnte (Stand: 18.08.2022; RKI).

Impfung gegen Affenpocken

Aufgrund der Ähnlichkeit zu echten Pockenviren ist ein gewisser Schutz durch eine früher erhaltene Pockenimpfung anzunehmen.

Die STIKO (ständige Impfkommission) empfiehlt Personen ab 18 Jahren ohne eigene Krankheitssymptome seit dem 21. Juni 2022 eine Impfung mit dem Pockenimpfstoff ‚Imvanex‘ kurz nach engem Kontakt zu einem Affenpockenfall sowie die Indikationsimpfung von Personen mit einem erhöhten Expositions- und Infektionsrisiko. Mehr Information zur Impfung gegen Affenpocken hier: www.rki.de/affenpocken-impfung.

Der Impfstoff wird in zwei Impfstoffdosen in einem Abstand von 28 Tagen gegeben. Immungesunde Personen, die bereits in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurden, sollen eine einmalige Impfstoffdosis verabreicht bekommen (Quelle: Affenpocken – Fragen und Antworten).

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Eine frühzeitige Untersuchung beim Proktologen sichert die Diagnose.

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